Landnahme im Treibhaus

Land und Wald auf den Kohlenstoffmärkten

Herausgeber: Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika – FDCL e.V.

Autor: Thomas Fritz

Berlin, Dezember 2009

ISBN-13: 978-3-923020-48-5

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INHALT

1 Einführung


2 Der große Klima-Deal

  Subprime-Kredite: Kompensation für Klimasünder
  Konkurrenz von Standards und Märkten
  Klimaretter: Land- und Forstwirtschaft

3 Land und Wald auf den Kohlenstoffmärkten

  CDM: Eine schmutzige Entwicklung
  Klimaschutz mit Plantagen und Staudämmen
  Konzernlösungen: Gentech und Dünger
  Wenn Industrieträume wahr werden: Chicago Climate Exchange

4 REDD: Waldschutz und Landraub

  Warentest: Die Marktfähigkeit des Waldes
  Waffen und Wächter
  Wohlfühlmarkt für Entwalder

5 Die Herren im Treibhaus

Endnoten
Literatur


1 EINFÜHRUNG

Der Klimawandel bedroht fruchtbare Böden und tropische Wälder. Er gehört zu den Triebkräften der aktuellen Jagd nach Land, die sich besonders drastisch in Ländern des Südens manifestiert. Zugleich geraten Land und Wald zunehmend ins Visier des Klimaschutzes; sie werden zu Waren auf den sich dynamisch entwickelnden Kohlenstoffmärkten. Diese heizen die Nachfrage nach Böden und Biomasse noch weiter an, sei es in ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher oder als Ressource für nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien. Bisher aber gelang es diesen politisch geschaffenen Märkten nicht, der Erderwärmung Einhalt zu gebieten und eine gerechtere Ressourcennutzung einzuleiten. Und so stellt sich die Frage, was es heißt, wenn Land und Wald vermehrt zum Objekt der Kohlenstoffmärkte werden. Was bedeutet diese Kommodifizierung für den erforderlichen Schutz von Böden und Wäldern und für alle jene Menschen, die von ihrer Nutzung abhängen?

Dieses Hintergrundpapier geht den diversen Aktivitäten zur Expansion der Kohlenstoffmärkte in Landwirtschaft und Tropenwälder nach. Es beschreibt die verschiedenen Segmente und Mechanismen dieser Märkte und zeigt, inwieweit Land- und Forstwirtschaft dort bereits zu Waren wurden. Ferner analysiert es die Pläne von Regierungen, Konzernen und internationalen Organisationen, um das Spektrum dieser Märkte zu erweitern.

Im Vordergrund steht dabei ein besonders beunruhigender Trend: Die diversen Vorhaben zur Ausgestaltung des Emissionshandels, vor allem in den USA, in der Europäischen Union und im Rahmen der internationalen Klimaverhandlungen, sehen eine starke Erhöhung der Anrechenbarkeit von Kompensationsprojekten aus Entwicklungsländern vor, mit denen sich Großverschmutzer der Industriestaaten von ihren Verpflichtungen zur Emissionsreduktion freikaufen können. Ein großer Teil dieser Projekte betrifft Landwirtschaft und Wälder. Dies aber kann nicht nur die Energiewende im Norden unterminieren, sondern auch die Flächenkonkurrenz und Landkonflikte im Süden verschärfen.